Am Antoniusborn – Ortseingang und Eingang in Dattenbergs Geschichte

Ruine Burg Dattenberg mit Blick ins Rheintal (Karl Birrenbach, Köln)
Ruine Burg Dattenberg mit Blick ins Rheintal (Karl Birrenbach, Köln)
Ruine Burg Dattenberg mit Blick ins Rheintal (Karl Birrenbach, Köln)

Der Abbau von Säulenbasalt, eine verheerende Brandkatastrophe auf dem Bornberg und der Reblausbefall der Weinrebe veränderten im 19. und 20. Jh. die wirtschaftliche und soziale Struktur Dattenbergs sowie das Erscheinungsbild des Ortes

Ruine Burg Dattenberg mit Blick ins Rheintal (Karl Birrenbach, Köln)
Ruine Burg Dattenberg mit Blick ins Rheintal (Karl Birrenbach, Köln)

Ruine Burg Dattenberg mit Blick ins Rheintal (Karl Birrenbach, Köln)

Das von Notar Stoppenbach 1837/40 erbaute Landhaus rechts die erste Dattenberger Pfarrkirche (Sammlung Rings)
Das von Notar Stoppenbach 1837/40 erbaute Landhaus rechts die erste Dattenberger Pfarrkirche (Sammlung Rings)

Das Farbdia aus den 1950er Jahren zeigt den Blick von Burg Dattenberg bis zum Remagener Feld, wo sich 1945 das berüchtigte Rheinwiesenlager mit Tausenden deutscher Kriegsgefangenen befand. Am Rheinufer liegt der alte Treidelort Kripp. Die Landskron, die markanteste Landmarke am Eingang zum Ahrtal, ist durch das Foto nicht erfasst. Links neben dem Bergfried der ehemaligen Burg derer von Dadenberg sind Gebäude zu erkennen, die im 19. Jh. von den Ansteigern des ehemaligen Kurfürstlichen Lehens, darunter der Kölner Notar Josef Stoppenbach (1837), der in Hönningen ansässig gewesene Baron von Mengershausen (1850) und der Berliner Baumeister Adolf Fuchs (1887), errichtet, erweitert und im Geschmack der Zeit umgestaltet wurden. Fuchs wurde auf dieses exponierte und „verwunschene“ Stück Dattenberg aufmerksam, als er in den 1890er Jahren die Flaschenfabrik in Sinzig baute.

Das von Adolf Fuchs um 1895 umgestaltete Stoppenbachsche Landhaus (Sammlung Rings)
Das von Adolf Fuchs um 1895 umgestaltete Stoppenbachsche Landhaus (Sammlung Rings)

Die Weinberge mit den Stützmauern, die noch den größten Teil des Bergrückens bedecken, sind Zeugnisse Dattenberger Weinkultur. Die Rebanlagen unter der Burgruine und den rekonstruierten Wehranlagen schuf der besagte Baumeister Fuchs. Die weiter zum Rhein hin gelegenen Weinberge erinnern u.a. an den Winzer und Rotweinspezialisten Johann Kröll aus der Bann und seine Söhne Toni und Johannes. Bei Anlage dieser Weinberge wurde viel Dattenberger Säulenbasalt verarbeitet.

Hier am Burgberg wuchs ein guter Burgunder, dessen Ehrenpreise den Ruf Dattenbergs mehrten. Für die Bewirtschaftung der Weinberge benötigten die Besitzer immer Tagelöhner, die sie unter den Bewohnern Dattenbergs fanden. Der Berliner Baumeister Adolf Fuchs war in Dattenberg angesehen, nicht zuletzt, weil er 1891 auch als Andersdenkender – Freimaurer – Pfarrer Hein- rich Schmitt beim Bau der neuen Pfarrkirche auf dem Bornberg unterstützte. Als Folge des Befalls der Wein- reben durch die Reblaus und der weltwirtschaftlichen Entwicklungen auf dem Weinsektor, geriet der Wein- bau in Dattenberg in eine anhaltende Krise. Weinbau im Nebenerwerb lohnte sich immer weniger. Was die Weinbauern einst der Natur in harter Arbeit abgerun- gen hatten, holte sich diese zurück, wie das Farbfoto ganz oben beweist. Aber die Natur schenkte den Dattenbergern etwas Neues: Ab 1817 begann auf dem Burgberg der industrielle Abbau von Säulenbasalt.

Blick vom Westersweg auf das ehemalige und neue kulturelle Zentrum Dattenbergs     (Fotomontage aus Sammlung Rings)

Blick vom Westersweg auf das ehemalige und neue kulturelle Zentrum Dattenbergs (Fotomontage aus Sammlung Rings)
Blick vom Westersweg auf das ehemalige und neue kulturelle Zentrum Dattenbergs (Fotomontage aus Sammlung Rings)

Das Bild, auf dem zwei Kirchen, zwei Schulen und zwei Pfarrhäuser zu sehen sind, ist eine Fotomontage. Von dem „unwürdigen Kirchlein“ im Tal (links) steht bis heute der unter Denkmalschutz stehende Chor.

Erwähnenswert ist die alte Schule, ein kleines Fachwerkhaus, das lange auf dem Anwesen Kube stand (s. ganz rechts auf dem Foto).  Als besondere Leistungen der Gemeinde Dattenberg gegen Ende des 19. Jhs. darf man drei Neubauten auf dem Bornberg herausstellen, Pfarrhaus, Schule und die neue Pfarrkirche „Zu den hl. Schutzengeln“, deren Grundstein 1891 Pastor Schmitt mit seinen Pfarrmitgliedern legte.

Dieses aus Ziegelstein gebaute Gotteshaus mit einem 38 m hohen Westturn wurde das Wahrzeichen Dattenbergs.

Ein unwürdiges Kirchlein

Teile der alten Pfarrkirche im Tal (s. Foto oben) ge- hen auf die von den Burgherren gebaute Mutter- gotteskapelle zurück. Nach Fertigstellung der neuen Schutzengelkirche auf dem Bornberg wurde 1899 Dattenbergs ältestes Gotteshaus bis auf den erhal- tenswerten Chor aus der Mitte des 13. Jhs abgetra- gen. (Siehe hierzu auch Text in der zentralen Spalte!)

Chor der alten Pfarrkirche (Kapelle) heute Kriegergedächtnisstätte mit einer von Günter Oellers aus Linz geschaffenen Pieta (Fotos AR)
Chor der alten Pfarrkirche (Kapelle) heute Kriegergedächtnisstätte mit einer von Günter Oellers aus Linz geschaffenen Pieta (Fotos AR)

Eine Episode:

Wie sah Pastor Heinrich Schmitt seine Pfarrkirche, als er 1884 nach dem Kulturkampf als Seelsorger nach Dattenberg kam? Folgendes Zitat ist einem Schreiben an den Oberpräsidenten der Rheinprovinz zu Koblenz entnommen:

„… könnte Ew. Exzellenz nur das elende, eines Gottesdienstes durchaus unwürdige Kirchlein schauen, welches wir benutzen müssen! Mit einem aller Beschreibung spottenden Holzturm steht es da am Hauptwege, den alle passieren, die etwa aus der Ferne unseren berühmten Steinbruch besuchen oder diebekannte Fernsicht auf unserer Höhe bewundern wollen, und kopfschüttelnd betrachten sie den Bau, den sie von weitem für eine Ruine gehalten … „

1816 ein Winzer legt am Dattenberg Säulenbasalt frei – Stein wird zur neuen Einkommensquelle

(Graphik-Sammlung Rings)
(Graphik-Sammlung Rings)

1817 kaufte Georg Ankenbrand, Gastwirt zum Ho- tel Nassauer Hof in Linz am Rhein, von dem Winzer H. Runkel auf dem Dattenberg eine Parzelle mit an- stehendem Säulenbasalt und begann sofort mit dem Abbau des Bodenschatzes. Als Hotelier beobachtete er, dass eine zunehmende Zahl seiner Gäste, man nannte sie Rheintouristen, sich nicht nur für die Historie der noch ummauerten Stadt Linz interessierte; er erlebte, dass der Anblick des säulen- artig erstarrten, dunklen Basaltsteins, der in seinem Bruch am Dattenberg senkrecht, wie Orgelpfeifen da stand, die Betrachter faszinierte. Auch die Aussicht vom Dattenberg in die an- ziehende Landschaft des Rhein- und Ahrtales sowie auf die geheimnisvollen Eifelberge begeisterte die Rheinreisenden. Ankenbrand nutzte die Gunst der Stunde und ließ einen Hausprospekt drucken und an die Hausgäste verteilen. Die Werbung hatte Erfolg. Immer mehr Touristen kamen per Schiff nach Linz und wurden von der Ankenbrandschen Dienerschaft zum Datten- berg geführt. 1826 brachte der Verlag Engelmann in Heidelberg einen Fremdenführer heraus, in dem der oben abgebildete Kupferstich von Fries und Hess für Dattenberg etwas ganz Besonderes ist.

(Rings . Willscheid, Dattenberg - Ein Heimatbuch 1991)
(Rings . Willscheid, Dattenberg – Ein Heimatbuch 1991)

Den Bildinhalt des Kupferstichs könnte man als ver- dichtete Ortsgeschichte Dattenbergs auffassen: Auf einer Anhöhe erhebt sich der damals noch mehr als 30 m hohe Bergfried der Burg derer von Dadenberg. Im Vordergrund erkennt man, im Tal zwischen Burg- und Bornberg liegend, die der Mutter Gottes geweihte Kapelle, die im 18. Jh. Dattenbergs erste Pfarrkirche wurde. Die architektonischen Merkmale des Chores der Kapelle weisen – wie die Reste der Burg – stilistisch in die Mitte des 13. Jhs. Somit wäre die Annahme, die Dadenberger hätten das kleine Got- teshaus erbaut, nicht abwegig. Rechts auf dem flacheren, dann stärker anstei- genden Bergrücken stehen mit Stroh gedeckte Häuser. Es sind die Wohnun- gen der Einheimischen und einiger auswärtigen Grundbesitzer (Forensen). Für das Thema Basalt ist der Steinbrecher rechts im mittleren Teil der Graphik von Bedeutung. An dieser Stelle des Kupfer- stichs sehen wir den Beginn des Abbaus von wert- vollem Säulenbasalt am Dattenberg. Bis 1978 wurde an der Ausbeutung gearbeitet. Dann war der Bruch erschöpft. Der gewaltige Krater wurde als Deponie genutzt und mit Umwelt verträglichem Material ver- füllt. Heute haben Selbstheilungskräfte der Natur die Industrienarbe in einen Biotop verwandelt.


Blick hinauf zum alten Pfarrhaus 2017 (Haus Kröll)

Unter der Verkleidung des Hauses befindet sich altes Fachwerk

Steintransport mit Pferdewagen
Aus: 50 Jahre BAG Linz a. Rhein (1938)

Im Bereich des grünen Streifens (links) verliefen – wie schon ausgeführt – ein tiefer liegender Karrenweg und auch ein Wasserfloss. Der Karrenweg diente von 1817 an bis zur Eröffnung der Bremsbahn am Stürzberg im Jahr 1888 dem Abtransport der Basaltsteine vom Bruch, später durch einen Tunnel unter dem Neuer Weg, vorbei am alten Pfarrhaus und dem Born, den Bachweg hinunter an die Verladeplätze am Rheinufer in Wallen. Es war eine steile, enge, eine für Mensch und Tier gefährliche Trasse.Wiederholter, zuletzt umfangreicher Ausbau des Bachweges (Kanalisation), führte zur heutigen Kreisstraße 10.


Antoniusbrunnen und Augenbörnchen

So könnte man sich das Leben am „Alten Born“ vorstellen:

(Fotos AR 2016)

Waschtag am Born. In einen Trog fließt reichlich frisches Wasser, das in einen zweiten Trog überläuft. An einem dritten Steintrog bereitet eine Frau die Wäsche vor. Der Born war für die Dattenberger eine „Waschanstalt“, keine bequeme Einrichtung, denn alles, was zum Wa- schen gehörte, musste von den Bergen runter und wieder rauf, meistens mit der Schürreskar, transportiert werden. Der Chronist Weiden- bach, Dattenberger und Lehrer in Andernach, hat uns etwas Schriftliches hinterlassen: Am Born konnte in früheren Zeiten (19. Jh.) „action“ sein, Menschen und Tiere, nicht zu vergessen die Pferde, die den Basalt aus dem Bruch an den Rhein fahren mussten, benötigten das erfri- schende Wasser. Am Born trafen sich die Wasserträger von beiden Bergen, die Küche und Stall zu versorgen hatten, auch die Schiffsleute, die in Wallen ankerten , kamen und holten Wasser, um ihre Wassertanks aufzufüllen. Nicht zu vergessen die Menschen, die an die heilende Wirkung des Wassers aus dem Augenbörnchen glaubten. Und wenn es im Dorf brannte, dann begann am Born die Eimerkette!

Der neu gestaltete Ortseingang am Born

Am Born - Dattenbergs älteste Wasserstelle 2016 (Foto A. Rings)
Am Born – Dattenbergs älteste Wasserstelle 2016 (Foto A. Rings)

2016 wurde die von der Gemeinde Dattenberg beschlossene Neugestaltung des Ortseinganges am Born fertiggestellt. Es besteht nun wieder freie Sicht auf den geschichtsträchtigsten Teil von „Alt-Dattenberg“, dessen Topographie seit 1937 durch das Wasserwerk und viel Aufwuchs verdeckt war.

Die erste Brunnenfigur, ist eine Arbeit des Schreiners Franz Ronig. Die Skulptur wurde An- fang der 1970er Jahre gestohlen. (Foto AR 1953)

Deutlich erkennt man die Stelle, an der Dattenbergs Siedlungskerne, Born- und Burgberg, zusammentreffen. Man sieht einen Teil der Bogenbrücke, die einen verrohrten Wasserlauf und einen zugeschütteten Transport- weg, der einst vom Steinbruch bis nach Wallen am Rhein führte, überspannt.

Bis heute ermöglicht diese Brücke den Bewohnern Dattenbergs Zugang zu ihren ältesten kulturellen Stätten, zum Chor der alten Pfarrkirche – Kriegergedächtnisstätte – den umliegenden Kirchhofsterrassen mit alten Grabkreuzen, zum Ort der ersten Dattenberger Schule und zu dem bis heute Wasser spendenden Antonius- born. In einer Nische über der Brunnenstube steht die Skulptur des hl. Abtes Antonius, einstmals 2. Patron der Pfarrei und kurfürstlichen Herrlichkeit Dattenberg.

Der hl. Antonius – mit dem leicht afrikanischen Einschlag – ist das Werk des Brudermissionars der Weißen Väter, Karl Siebertz, geb. 1930 in Dattenberg, gest. 2005 in Uganda.

Dattenbergs Ortseingang mit Laufbrunnen und Bänken. Hier können Wanderer, die den Rheinsteig begehen, rasten und Hände und Gesicht kühlen. Trinken sollte man das Wasser nicht. (Foto AR)

Texte und mit AR gekennzeichnete Fotos Anton Rings
Fotobearbeitung: Sabine Rings Druck: Werbetechnik Lehrach GmbH, Dattenberg

Quellen: Anton Rings . Robert Willscheid
Dattenberg – Ein Heimatbuch 1991